Die bedeutendsten Vorteile von »Mail Surveys« liegen im technischen und ökonomischen Bereich. Einfache postalische Befragungen sind mit geringerem organisatorischen Aufwand verbunden als Befragungen über einen Interviewerstab, und sie sind nur mit einem Bruchteil der ansonsten anfallenden Kosten verbunden. Das Budget der Arbeitsgemeinschaft ließ eine aufwendige Befragung ebensowenig zu wie eine postalische Befragung nach Dillman (das »Total-Method-Design« führt zu Kosten, die nur geringfügig unter denen einer mündlichen Befragung liegen). Postalische Befragungen bieten sich im übrigen an, soweit es - wie im vorliegenden Fall - nur um die "Ermittlung von einfachen Tatbeständen" (Atteslander 1991: 167) geht.
Um mit dem zweiten Aspekt zu beginnen: Die Sicherheit einer statistischen Aussage hängt von der absoluten Größe der Stichprobe ab (Noelle-Neumann/Peterson 1996). Die 1.272 Befragten garantieren eine nur sehr geringe Fehlertoleranz von ungefähr 1,5%. Das heißt, ein im Datensatz ermitteltes Ergebnis weicht in der Grundgesamtheit - Repräsentativität vorausgesetzt - nur um knapp 0,8% nach oben oder unten ab.1[Beispielsweise zeigte sich, daß durchschnittlich 1,869 Kinder in den Familien leben. Bei einer Fehlertoleranz von 1,5% leben jedoch tatsächlich zwischen 1,854 und 1,884 Kinder in einer durchschnittlichen Familie.] Die Genauigkeit der Messung ist also bei einer derart hohen Fallzahl sehr gut gewährleistet.
Die entscheidende Frage ist natürlich noch, ob die Ergebnisse auch auf die Grundgesamtheit übertragen werden können. Repräsentativität im strengen statistischen Sinne weist der Datensatz sehr wahrscheinlich nicht auf. Design und Rücklauf lassen nicht darauf schließen, daß die Struktur der Befragten identisch ist mit der Struktur in der Population. In einfachen Worten ist bei einer Quote von knapp 4% zu vermuten, daß nur bestimmte Personengruppen den Fragebogen beantwortet haben, während andere sich nicht dazu entschließen konnten. Die Gründe für die systematischen Ausfälle postalischer Befragungen, und damit die Art der Verzerrung der Antworten, sind bekannt: Ein unterdurchschnittlicher Rücklauf ist von Personen zu erwarten, die dem schriftlichen Medium eher reserviert gegenüberstehen, also von Menschen mit einfachem und mittlerem Bildungsniveau. Umgekehrt ist eine überdurchschnittlich häufige Teilnahme von Personen zu erwarten, die durch die Umfrage besonders angesprochen werden.
Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Genauigkeit der Ergebnisse aufgrund der hohen Fallzahl grundsätzlich gewährleistet ist. Statistische Repräsentativität kann der Datensatz zwar nicht für sich in Anspruch nehmen, Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit sind jedoch - wenn auch mit Einschränkungen - durchaus möglich. Es ist davon auszugehen, daß die Umfrageergebnisse bedingt die Verhältnisse im Untersuchungsgebiet wiedergeben. Allerdings sind nicht alle Bevölkerungsgruppen mit ihren proportionalen Anteilen vertreten. Das heißt, bei der Interpretation der Ergebnisse gilt es zu bedenken, daß höhergebildete Frauen mit Kindern, die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wahrnehmen, im Sample überrepräsentiert sind.
3.1.2 Design der Studie
Die Fragebögen wurden im zweiten Quartal 1996 an die Haushalte des Untersuchungsgebietes verteilt. Es handelt sich um einen doppelseitig bedruckten DIN-A3-Bogen, der gleichzeitg das erläuternde Anschreiben und den eigentlichen Fragebogen umfaßt. Der Fragebogen selbst gliedert sich in drei große thematische Blöcke:
Bei den insgesamt 21 Fragen handelt es sich um geschlossene und offene Fragekonstruktionen. Da bei einigen Fragen die Möglichkeit von Mehrfachantworten vorgesehen ist, ist dementsprechend von Fragekomplexen auszugehen. Für die Analyse wurden insgesamt 153 Variablen gebildet, rund ein Drittel von ihnen sind recodierte bzw. kategorisierte Versionen der Ursprungsvariablen.
3.1.3 Stichprobe und Rücklauf
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes (1997) leben im Rhein-Hunsrück-Kreis 103.488 (Stichtag 30.6.96) Menschen in 132 Gemeinden und 7 Städten. Von ihnen sind 52.796 weiblich, 28.059 Frauen sind im Alter von 18 bis 60 Jahren. In 25 der 132 Orte wurden keine Fragebögen verteilt. Insgesamt wurden 33.000 Fragebögen ausgegeben, 21.000 kommerziell, der Rest durch die Frauengruppen. Die Antworten von 1.272 Befragten konnten ausgewertet werden, dies entspricht einem Rücklauf von 3,86%. Diese Quote scheint vordergründig sehr schlecht, hält sich aber durchaus im Rahmen der üblichen Rücklaufquoten (Eckardt 1969) bei einem derartigen Studiendesign.
3.1.4 Güte der Aussagen und Repräsentativität
Der geringe Rücklauf von rund 4% der Grundgesamtheit läßt die Frage nach der Verwendbarkeit des Materials bzw. der Aussagekraft der Ergebnisse zu. Zu unterscheiden sind hierbei zwei unabhängige Aspekte, die die Güte des Datensatzes bestimmen: Inwieweit liefert - erstens - der Datensatz ein genaues Modell der Realität (repräsentative Abbildung), und zweitens, wie genau entspricht ein ermittelter Wert des Datensatzes dem entsprechenden Wert in der Grundgesamtheit (Genauigkeit der Messung).
3.2 Ergebnisse der Befragung
3.2.1 Fragen zur persönlichen Situation
![]() | Der Großteil (72,9%) der Befragten ist unter 40 Jahren alt, wobei die jüngste Altersgruppe der 18 bis 30jährigen ein knappes Viertel und die 31 bis 40jährigen die Hälfte der Antwortenden ausmachen. Weitere 20% sind zwischen 41 und 50 Jahren. Die älteste Gruppe der 51 bis 60jährigen ist mit 8% vertreten. |
| Die meisten Frauen (28,7%) wohnen in der Verbandsgemeinde Simmern, gefolgt von Kirchberg mit 23,6 % und Kastellaun mit 19,6 %. Aus Rheinböllen stammt gut jede 10. Frau und aus Boppard, Emmelhausen und Oberwesel jeweils ca. 1/20 der Befragten. Das Verhältnis von Stadt- zu Landbewohnerinnen liegt bei 1 zu 4, d.h. 21,6% wohnen in städtischem, 78,4% in ländlichem Gebiet. |
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| Die schulische Bildung der befragten Frauen verteilt sich relativ gleichmäßig auf die drei Schultypen, mit einer leichten Häufung mittlerer Bildungsabschlüsse: Gut ein Drittel besitzt einen Hauptschulabschluß, ca. 40% die Mittlere Reife und etwa 22% Abitur. |
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Fast 90% der befragten Frauen haben Kinder, und zwar im Mittel ca. 1,6 Kind(er) pro Frau. Berücksichtigt man nur diejenigen Frauen, die tatsächlich Mutter sind, kommt man sogar auf durchschnittlich 1,9 Kind(er) pro Frau.
Ein knappes Drittel der Befragten hat (min.) ein Kind, das zwischen 0 und 3 Jahren alt ist. Gleiches gilt für die Altersgruppe der 3 bis 6jährigen. 41,5% der Frauen haben (ein) Kind(er) im Alter von 6 bis 12 Jahren, 22,1% haben ältere Schulkinder und eben so viele bereits erwachsene Kinder. Knapp 40% der Mütter haben nur ein Kind, 43% zwei und 13,6% drei Kinder. Kinderreiche Familien mit vier und mehr Kindern machen ein Zwanzigstel der Familien aus. |
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Fast ebensoviele Frauen (43,1%) wünschen sich Kinderbetreuungsmöglichkeiten, um ihre jetzige Berufstätigkeit besser organisieren zu können. Auch das Interesse an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten ist für ein gutes Drittel der Befragten ein Motiv, Kinderbetreuungsmöglichkeiten nachzufragen. Die Ermöglichung einer verbesserten Organisation der Familienarbeit wird von einem guten Fünftel (22,1%) der Frauen als Grund angegeben.
Bei der Frage nach der besten Zeit der Kinderbetreuung lassen sich die befragten Frauen grob in drei Gruppen einteilen:
Außer für die Gruppe derjenigen Mütter, die ihr(e) Kind(er) bereits bis 13 Uhr wieder nach Hause geholt haben wollen, stellt demzufolge eine Betreuung über die Mittagszeit inklusive einer Mahlzeit in der Betreuungseinrichtung eine wichtige Forderung dar. Anteilsmäßig ist von gut jeder zweiten Frau auszugehen, die ein Versorgung des Kindes über Mittag wünscht (56,5%).
7 von 10 befragten Frauen halten eine Öffnung der Kinderbetreuung bis 17 Uhr für ausreichend, wohingegen sich ca. 30% längere Öffnungszeiten wünschen. Ein Sechstel der Frauen gibt eine Betreuung bis 18 Uhr, weitere 10% darüber hinaus sogar eine Betreuung bis 19 Uhr als wünschenswert an.
Neben der Frage nach den besten Zeiten für die Kinderbetreuung konnten die Frauen auch ihre Vorstellungen über ein nicht ideales, aber zumutbares Angebot äußern. Hierbei ergab sich, daß die Frauen einen späteren Beginn der Betreuung ab 10 Uhr oder eine ausschließliche Nachmittagsbetreuung für denkbar halten. Der Anteil der Frauen mit einer gewünschten Betreuungsdauer bis zu 5 Stunden erhöht sich auf etwa 45%. Die Zahl der Mütter, die eine 6- bis 8-stündige Betreuung nachfragen, bleibt mit ca. 40% ungefähr konstant, wohingegen sich die Zahl derjenigen, die eine Ganztagsbetreuung zwischen 9 und 11 Stunden bevorzugen, auf 13,4% halbiert.
Entscheidend bei der Betrachtung dieses "zweiten Wunsches" ist jedoch die Tatsache, daß diese Frage von gut 80% der Befragten gar nicht erst beantwortet wurde, was dafür spricht, daß für die Mehrheit die Angaben ihres ersten Wunsches bereits das noch zumutbare Ausmaß an Kinderbetreuungszeiten darstellt.
![]() | Als geeigneten Ort der Kinderbetreuung nennt die überwältigende Mehrheit der Frauen den eigenen Wohnort bzw. die eigene Verbandsgemeinde. Nur ein kleiner Teil hält eine Betreuung über die Grenzen der Verbandsgemeinde für geeignet. |
Von nahezu allen befragten Frauen (99,7%) wird eine Kinderbetreuung auch in den Schulferien gewünscht. Denn dieses stellt bei einer Diskrepanz von etwa sechs Wochen zwischen der Dauer der Schulferien (ca. 3 Monate jährlich) und nur ca. 6 Wochen Jahresurlaub der Eltern/Mütter eine wichtige Voraussetzung zur Vereinbarkeit einer Berufstätigkeit mit der Notwendigkeit der Kinderbetreuung dar.
Ein weiterer häufiger Wunsch ist die flexible Gestaltung der Kindergartenferien, die sich in aller Regel starr an die Schulferien halten und so auch für Eltern noch nicht schulpflichtiger Kinder eine Beschränkung des Urlaubs auf diese Zeit erzwingen.
Die Art der bevorzugten Kinderbetreuungseinrichtung variiert deutlich zwischen den einzelnen Frauen, nicht zuletzt in Abhängigkeit vom Alter der Kinder:
Der Wunsch nach einer Kinderbetreuungsmöglichkeit bereits für Kleinkinder bis zu drei Jahren wird von einem Drittel der Mütter mit Kindern diesen Alters geäußert.
Als wichtig werden ebenfalls Ganztagskindergartenplätze von 43,2% bzw. Kindergärten mit einer Vor- und Nachmittagsbetreuung von 30,7% der Frauen mit Kindergartenkindern eingeschätzt.
Für jüngere Schulkinder wünschen sich zwei Drittel der Mütter eine Betreuung in einem Hort im Anschluß an die Schule. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund verständlich, daß der Schulschluß in den Grundschuljahren häufig bereits in den Vormittagsstunden liegt und selbst eine Halbtagsberufstätigkeit sehr erschwert.
Für ältere Schulkinder ist der Wunsch einer Hortbetreuung nicht mehr so deutlich ausgeprägt, jedoch besteht auch hier bei einem guten Drittel der Mütter Betreuungsbedarf.
Alternativen zu öffentlichen bzw. kirchlichen Betreuungseinrichtungen in Form von Betriebskindergärten oder auch Tagesmüttern rangieren auf den hinteren Plätzen der Wunschliste: Nur jeweils gut jede zehnte Frau kann sich eine Betreuung der Kinder auf eine der beiden Arten vorstellen.
Laut Auskunft einer Mitarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft der Frauenverbände (Frau Werle) stehen im Rhein-Hunsrück-Kreis 4.115 Kindergarten- und Hortplätze zur Verfügung. Allein in dem - sehr kleinen - untersuchten Sample finden sich 751 Kinder im Alter bis zu 6 Jahren. Wollte man aus dieser empirisch ermittelten Zahl den möglichen Bedarf hochrechnen (was aus Gründen der fraglichen Repräsentativität der Stichprobe methodisch jedoch etwas problematisch ist), so wäre von über 20.000 Betreuungsplätzen - und damit einer deutlichen Unterversorgung - auszugehen.
Auffällig ist, daß über die Hälfte (53,4%) der Befragten bei der Kinderbetreuung (auch) auf die Unterstützung durch die eigene Familie zurückgreift und sich nicht ausschließlich auf öffentliche Betreuungseinrichtungen verläßt bzw. verlassen kann.
Eine mögliche Erklärung für diese starke Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit könnte im mangelnden Angebot an geeigneten Arbeitsplätzen und der strukturell bedingten schlechten Vereinbarkeit einer Berufstätigkeit mit Erziehungsaufgaben liegen.
Von den Berufstätigen geht jede dritte Frau einer Vollzeit- und zwei Drittel einer Teilzeitbeschäftigung nach, wobei von den Vollzeitbeschäftigten der Wunsch nach einem verstärkten Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen geäußert wird.
3.2.3 Fragen zur Berufs-, Arbeits- und Ausbildungssituation
Gut die Hälfte der befragten Frauen (59,7%) [errata] gibt an, berufstätig zu sein, was im Vergleich zu den Daten des Mikrozensus 1992 (vgl. Schwarz 1993-94) oder auch den Ergebnissen des Familiensurveys des DJI (München) im bundesdeutschen Schnitt liegt. Hervorstechend ist jedoch die Tatsache, daß 90% der Befragten gerne arbeiten würden und nur 10% keine Berufstätigkeit wünschen.
| Zwischen den tatsächlich ausgeübten Berufen und ihren "Wunschberufen" sind nur geringfügige Unterschiede feststellbar. So sind 34,7% der Frauen im Büro, ca. 20% in sozialen bzw. pflegerischen Berufen, 12,5% in erzieherischen und jeweils etwas 7% im Einzelhandel oder in gewerblich-technischen Berufen tätig. Die restlichen knapp 20% lassen sich keiner der fünf inhaltlichen Kategorien zuordnen, jedoch arbeiten viele Befragte in der Gastronomie oder in hauswirtschaftlichen Berufen. |
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Der häufig nicht erfüllte Berufswunsch der Frauen läßt sich demzufolge nicht auf eine mangelnde Anpassung an den Arbeitsmarkt und eine Ausrichtung auf utopische Berufsvorstellungen zurückführen.
Bei der konkreten Frage nach den bevorzugten Arbeitszeiten läßt sich erneut eine Präferenz für Teilzeitbeschäftigungen feststellen. Sehr gewünscht wird eine Tätigkeit in den Vormittagsstunden (Beginn zwischen 8 und 9 Uhr), die bis 12 (52,4%) oder bis 13 Uhr (71, 9%) andauert. Das bevorzugte zeitliche Ausmaß ist für 61% der Befragten eine Spanne zwischen vier und fünf Stunden täglich. Neben dieser am Teilzeitmodell orientierten Gruppe gibt es jedoch auch eine Gruppe, die gerne zwischen acht und neun (max. zehn) Stunden täglich arbeiten möchte. Sie stellt etwa ein Fünftel der befragten Frauen dar.
Eine ausschließlich stundenweise Tätigkeit (bis zu drei Stunden täglich) wird nur von einer Minderheit (5,4%) der Frauen gewünscht.
Ähnlich wie bei der Frage nach den Kinderbetreuungswünschen besteht auch bei der Frage nach der bevorzugten Arbeitszeit die Möglichkeit, zwischen einer idealen und einer zumutbaren Form zu differenzieren:
In Analogie zur Kinderbetreuungszeit zeigt sich auch bei den Arbeitszeiten die Alternative eines späteren Beginns (gegen 10 Uhr) oder einer reinen Nachmittagstätigkeit. Die gewünschte Arbeitsdauer verlagert sich bei der zweiten Wahl leicht in Richtung auf eine stundenweise Tätigkeit (plus 5%) und von einer Ganztagesbeschäftigung weg (minus 5%). Diese nur geringen Unterschiede wie auch die Tatsache, daß von 80% der Frauen erneut gar kein zweiter Wunsch angegeben wird, spricht jedoch wiederum dafür, daß für die allermeisten nur eine mögliche Zeit in Frage kommt.
Eng mit der gewünschten Arbeitszeit ist auch die räumliche Erreichbarkeit der Arbeitsstelle verknüpft. Auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen ist etwa ein Viertel der Befragten, wohingegen 78,9% angeben, ihnen stünde ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung. Vergleicht man diesen Versorgungsgrad an PKW mit dem der gesamtdeutschen Bevölkerung (hier liegt des Verhältnis PKW-Person bei 0,4863, d.h. weniger als jede zweite Person hat ein eigenes Auto zur Verfügung) (vgl. Statistisches Bundesamt 1996), erscheint die Ausstattung mit Autos ungewöhnlich hoch.3[Da im Fragebogen nur nach der »Verfügbarkeit« eines PKW gefragt wurde, bleibt unklar, ob es sich um den eigenen PKW der Frau oder um das Fahrzeug der Familie handelt.] Andererseits ist diese überdurchschnittliche Anzahl an PKW jedoch verständlich, da ein eigenes Auto bei der derzeitigen Netzdichte und Taktzeit des ÖPNV im Rhein-Hunsrück-Kreis für eine angemessene Mobilität und Flexibilität unabdingbar ist.
Die gewünschte Entfernung zur Arbeitsstelle gibt ein Viertel der Frauen mit bis zu 10 km und etwa weitere 40% zwischen 10 und 20 km an. Ein weiteres Fünftel ist bereit, Wege zwischen 20 und 30 km zurückzulegen, wohingegen nur noch 15% mehr als 30 km weit zur Arbeit fahren möchten.
Eine Berufstätigkeit zuhause in Form von Heimarbeit stellt für 2/3 der Frauen eine Alternative zur außerhäuslichen Arbeit dar.
Die Bereitschaft, die eigene Qualifikation und damit den eigenen "Wert" auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, ist bei den befragten Frauen hoch ausgeprägt: Mehr als die Hälfte (56,1%) gibt an, eine (weitere) Ausbildung bzw. Umschulung machen zu wollen, wenn die Umstände, unter denen diese stattfindet, mit ihren Lebensverhältnissen in Einklang zu bringen sind.
Erneut zeigt sich hier das meiste Interesse an einer Halbtagsform, die gefolgt ist von einer Weiterbildung in den Abendstunden. Weniger beliebt ist eine Zeitform, die sich schlecht mit den Aufgaben der Familienarbeit vereinbaren läßt, wie eine Weiterbildung am Wochenende, ganztags oder auch als Blockunterricht.
Als räumliche Entfernung werden ähnlich weite Strecken als wünschenswert angegeben wie zur Arbeitsstelle, wobei die Frauen sogar eher bereit sind, etwas weitere Wege zu fahren.
Inhaltlich besteht das meiste Interesse an Weiterbildung im sozial-pflegerischen Bereich (37,4%) und im Bürobereich (34,3%). Fortbildungen zu erzieherischen Tätigkeiten rangieren auf Platz drei der Beliebtheitsskala mit ca. 20%, wohingegen der Einzelhandel und der gewerblich-technische Bereich nur bei je 10% der Frauen Interesse wecken.
Neben der Orientierung an einer beruflichen Weiterbildung zeigt sich auch ein breites Interesse an Weiterbildungsmöglichkeiten ohne ein konkretes Berufsziel. 2/3 der Frauen gibt an, sich auch ohne direkten Bezug zu einer Berufstätigkeit fortbilden zu wollen. Hierbei ist das Interesse an einem Wissenszuwachs im Bereich Computer der absolute Spitzenreiter mit fast 60% der Nennungen, gefolgt vom Wunsch, Sprachen zu lernen, mit gut 26%.
Der Wunsch, sich auch ohne konkreten Verwendungszweck auf dem Laufenden über die technische Entwicklung der Arbeitswelt zu halten, spiegelt somit u.U. eine langfristige Planung des Wiedereinstieges ins Erwerbsleben und das Bedürfnis, "nicht den Anschluß zu verpassen", wider.
Die Frage nach der Vereinbarkeit der eigenen beruflichen Wünsche mit den Arbeitsbedingungen des Partners wird von den meisten Frauen als positiv eingeschätzt. Drei Viertel geben an, daß sich eine eigenen Berufstätigkeit mit der des Partners vereinbaren läßt.
Die 25% Frauen, die dieses als problematisch erachten, sehen dabei überwiegend die Arbeitszeit des Partners als Problem an. Der Arbeitsort und die Einstellung des Betriebes des Partners wird von je einem Viertel als kritisch eingeschätzt, wohingegen nur ein Fünftel die persönliche Einstellung ihres Lebenspartners als Hinderungsgrund ansieht.
Abschließend wurde den Befragten die Gelegenheit gegeben, weitere Wünsche und Anregungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu äußern.
Von dieser Möglichkeit machte ein Fünftel der Frauen Gebrauch: Am häufigsten wurden Verbesserungswünsche bei der Kinderbetreuung von Kindergarten- wie auch Schulkindern mit 19% bzw. 22% der Nennungen angegeben. Besonders betont wurde hier die Notwendigkeit nach deutlich längeren und flexibler an die Bedürfnisse berufstätiger Mütter angepaßten Öffnungszeiten in Form von Ganztagskindergärten und Hortbetreuung für Schulkinder.
Wichtig stuften die befragten Frauen auch die Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten ein, wobei häufig der Wunsch nach mehr Teilzeitarbeitsstellen sowie größerer Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung geäußert wurde.
Einem knappen Zehntel erscheint der öffentliche Personennahverkehr im Rhein-Hunsrück-Kreis ausbaubedürftig, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden.
Gut jede 12. befragte Frau meint, daß auf struktureller Ebene die Situation von Frauen und Familien durch veränderte Politik verbessert werden sollte. Insbesondere die Anerkennung von Erziehungszeiten für die Rentenversicherungsleistungen oder auch Beseitigung der Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt wird hier angesprochen.
Ein kleiner Teil (7,5%) der Befragten betont abschließend noch einmal die Verbesserung der Weiterbildungsmöglichkeiten.
Von knapp 5% der Frauen wird angegeben, die Situation von alleinerziehenden Müttern sollte größere Berücksichtigung finden und wünscht sich mehr Angebote, die speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Gut 3% der Befragten äußert explizit die Meinung, daß das Thema "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" beide Geschlechter angeht und eine gleichberechtigte Aufteilung von Berufs- und Familienverpflichtungen notwendig ist.
Ihre Kritik kann man anhand der eingangs im theoretischen Teil erwähnten Doppelbelastung von Frauen durch Beruf und Familie in drei Komplexe zusammenfassen:
Familiengerechte Arbeitszeiten:
Klar formuliert wird das Bedürfnis nach familiengerechten Arbeitszeiten. Hierbei wird von den Frauen insbesondere eine Halbtagstätigkeit in den Vormittagsstunden als wünschenswert angegeben.
Der Mangel an geeigneten Arbeitsplätzen spiegelt sich u.a. in der deutlichen Diskrepanz zwischen dem Anteil der Frauen, die arbeiten wollen, und dem Anteil derer, die tatsächlich berufstätig sind.
Weiterhin weist auch der Wunsch vollzeitbeschäftigter Frauen nach mehr Teilzeitarbeitsplätzen auf einen Mangel in diesem Bereich hin.
Vereinbarkeit mit (Ehe)partner:
Ein Teil der Frauen sieht die eigene Berufstätigkeit aufgrund einer schwierigen Vereinbarkeit mit der des Partners als problematisch an. Hier wird insbesondere die Arbeitszeit des Partners als kritisch erachtet, da ein "Normarbeitsplatz", wie er von den allermeisten Männern ausgeübt wird, zu wenig Zeit für die Einbindung in die Familienarbeit läßt.
Eine gleichberechtigte Verteilung von Erwerbs- und Familienarbeit auf beide (Ehe)partner wird so strukturell erschwert. Darüber hinaus erscheint einigen Frauen auch die persönliche Einstellung des Partners als ungeeignet, eine eigene Berufstätigkeit mit ihren Familienpflichten in Einklang zu bringen.
Kinderbetreuungsmöglichkeiten:
Die zahlreichsten Verbesserungswünsche für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden jedoch im Bereich der Kinderbetreuungsmöglichkeiten angegeben.
Die deutlichste Forderung richtet sich hierbei an eine Betreuung der Kinder über die Mittagszeit, die eine Mahlzeit in der Betreuungseinrichtung einschließt. Diese Notwendigkeit besteht sowohl für kleinere Kinder im Kindergartenalter wie auch für Schulkinder in Form einer Hortbetreuung im Anschluß an die Schule.
Entscheidend sind für viele Mütter auch bedarfsgerechtere und flexiblere Öffnungszeiten von Kindertagesstätten. Nicht nur ein ausreichend früher Beginn am Morgen, sondern vor allem eine längere Öffnung am Nachmittag werden hier betont. 30% der befragten Frauen wünscht eine Betreuung z.T. deutlich länger als die klassischen Öffnungszeiten von Ganztagseinrichtungen von 8 bis 16 Uhr oder von 8.30 bis 16.30 Uhr. Dies erscheint vor dem Hintergrund einer potentiellen Ganztagsberufstätigkeit oder auch einer Teilzeittätigkeit in den gängigen Zeiten von 8 bis 12 Uhr oder 12 bis 16 Uhr als notwendig, um eine gesicherte Kinderbetreuung zu gewährleisten.
Als weiterer Wunsch zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird von einem Drittel der Frauen mit Kinder unter drei Jahren eine Kinderbetreuung bereits für diese Altersgruppe angegeben, was verglichen mit einem bundesweiten Angebot von Krippenplätzen für ca. 7,8% im Jahr 1994 (Statistisches Bundesamt 1996) aller unter Dreijährigen eine starke Diskrepanz darstellt. Eine ausreichende Versorgung ermöglicht jedoch ein kürzeres oder auch gar kein Ausscheiden der Mütter aus dem Erwerbsleben während der Familienphase und führt somit zu einer verbesserten Stellung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt.
Über die drei Forderungsbereiche hinaus wurde von den Frauen auch der Wunsch nach einer familiengerechten Möglichkeit zur Fort- und Weiterbildung geäußert, um das Qualifikationsprofil den aktuellen Erfordernissen des Arbeitsmarktes anpassen zu können. Desweiteren wünschen sich viele Frauen kurze An- und Abfahrtswege zur Arbeitsstelle und Kinderbetreuungseinrichtung, um die zeitliche Belastung möglichst gering zu halten.
Bei der sich abschließend stellenden Frage, wie lange es dauern würde, bis verbesserte Rahmenbedingungen bei der Kinderbetreuung von den Eltern wahr- und angenommen würden, läßt sich keine pauschale Antwort geben. Entscheidend ist hierbei eine geeignete Marketing-Konzeption, die mit Geisbüsch als "ein umfassender, gedanklicher Entwurf, der sich an einer Leitidee bzw. bestimmten Richtgröße, den Zielen, orientiert und grundlegende Strategien sowie notwendige Aktionsprogramme um einen schlüssigen Plan zusammenfaßt."(Geisbüsch 1991, S.179) verstanden werden kann. Je nach Art des Produkts, das vertrieben werden soll, muß ein unterschiedlicher Schwerpunkt auf die verschiedenen Instrumente der Marketing-Politik gelegt werden. Für den Absatz einer Dienstleistung wie dem Kinderbetreuungsangebot durch öffentlich-rechtliche oder kirchliche Träger stellt die Kommunikationspolitik ("Wer soll durch welche Informationen und auf welchem Weg beeinflußt werden?" Geisbüsch 1991, S. 22) das primäre Instrument dar. Im Rahmen des Kommunikationspolitik sind hier Werbung und Public Relations die zentralen Mittel. Von erheblicher Bedeutung beim Entwurf eines geeigneten Marketingkonzepts ist in jedem Fall die Orientierung an den zur Verfügung stehenden Mitteln, die im allgemeinen im nichtwirtschaftlichen Bereich (Non-Profit-Organisationen) eher begrenzt sind.
Bei der Umsetzung der Forderung nach verlängerten Öffnungszeiten und Ganztagsbetreuungseinrichtungen empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: Zunächst sollte gezielt in den Kindergärten und Schulen begonnen werden, in denen der Bedarf am größten ist, was sich durch eine Befragung der Eltern in den einzelnen Einrichtungen kurzfristig ermitteln läßt (Bedarfsermittlung).
Dabei ist es gleichzeitig wichtig, ausführlich über die geplanten Maßnahmen zu informieren, um eventuelle Vorbehalte seitens der Eltern in Bezug auf eine längere tägliche Fremdbetreuung ihrer Kinder abzubauen und eine ausreichende Vertrauensbasis zu schaffen (Informationsvermittlung und Transparenz). Die Erstellung einer knappen Broschüre könnte hier hilfreich sein.
Diese könnte darüber hinaus auch an weiteren Orten des öffentlichen Lebens, wie z.B. Rat- oder Bürgerhäuser, Einwohnermeldeämter und Kirchengemeinden, ausgelegt werden, um den Kenntnisstand und die Akzeptanz der gesamten Bevölkerung zu verbessern. Weiterhin sind regelmäßige Artikel in den Regionalzeitungen sowie Aushänge gut geeignet, um den Meinungsbildungsprozeß positiv zu beeinflussen.
Nicht zuletzt sollte jedoch die Wirkung der "Mund-zu-Mund"-Propaganda als Instrument der Informationsverbreitung und Meinungsbildung in Betracht gezogen werden: Gute Erfahrungen von Eltern aus Kindergärten und Schulen, in denen bereits erweiterte Öffnungszeiten und Ganztagsbetreuung eingeführt wurden, sind die besten Argumente für diese Maßnahmen und ermöglichen so den schrittweisen Ausbau zu einer flächendeckenden Versorgung im gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis.
Betreuung Schulkinder 21,57%
Betreuung Kindergartenkinder 18,82%
Arbeit/ Beruf 13,3%
ÖPNV 9,02%
familien- und frauenfreundliche Politik 8,24%
Ausbildung/ Weiterbildung 7,45%
Situation von Alleinerziehenden 4,34%
Gleichberechtigte Aufteilung zwischen Frau und Mann 3,14%
Sonstige 20%
4 Resumee
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen deutlich, daß bei den befragten Frauen eine starke Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation und der Möglichkeit der Vereinbarung von Familie und Beruf vorliegt.
5 Literatur
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Becker-Schmidt, R. (1981). Überforderung durch Doppelbelastung - Unterforderung durch Segregation. O.O., S. 33-40.
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Benard, C. / Schlaffer E. (1978). Die ganz gewöhnliche Gewalt in der Ehe. Texte zu einer Soziologie von Macht und Liebe. Reinbek.
Calame, A. (1982). Maßnahmen zugunsten einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Erfahrungen aus der DDR, Frankreich, Großbritannien und Schweden sowie Empfehlungen für die Bundesrepublik Deutschland. Berlin.
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Schnell R. / Hill P. B. / Esser E. (1992). Methoden der empirischen Sozialforschung (3. Aufl.). München / Wien: Oldenbourg.
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Vollmer, C. (1989). Konflikt Beruf und Familie. Eine gesellschaftliche Schlüsselfrage. Hamburg.
6 Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1 Altersverteilung
Abb. 2 Verteilung der Wohnorte
Abb. 3 Bildungsverteilung
Abb. 4 Verteilung der Kinderzahlen
Abb. 5 Wünsche: Ort der Kinderbetreuung
Abb. 6 Berufsstruktur
Abb. 7 Sonstige Wünsche und Anregungen